Mittwoch, 5. September 2012

Vegan auf Korsika - nichts ist unmöglich

Bonjour bonjour,

da bin ich wieder! Nach drei herrlichen Urlaubswochen mit viel Sonne, Hitze, Spaß und Bier bin ich wieder hier (gereimt - habt ihr gemerkt?).

Noch zwei Tage habe ich Urlaub, und dann geht der Arbeitsalltag wieder los.

Worüber ich jetzt aber erstmal berichten möchte, könnt ihr euch denken: meine veganen kulinarischen Genüsse auf Korsika.

Wer schonmal in Frankreich war, weiß sicherlich, dass es nur wenige derart veganer- unfreundliche Länder gibt. Ich wusste das auch, und habe vor der Abfahrt entsprechend vorgesorgt, um keine bösen Überraschungen zu erleben (z.B., dass ich nirgends Sojamilch finde) und (zusammengefasst) das hier mitgenommen:

- Müsli und Cornflakes
- 6 Liter Pflanzenmilch
- vegane Aufstriche
- Pesto
- Kekse, Cräcker, Riegel
- Grillwürste
- Margarine
- diverse Sorten Tofu
- vegane "5- Minuten- Terrinen"
- Dosenfutter (Gemüseravioli, Chilli con Seitan, Bohnentopf)

... und noch etwas mehr, z.B. Nüsse, Nudeln und so, wobei ich da schon davon ausgegangen bin, das auch dort in den Supermärkten zu finden.

Ein Fazit gleich an dieser Stelle - ohne meine ganzen Mitbringsel hätte ich oft ziemlich in die Röhre geschaut und wäre entweder hungrig geblieben oder kurzzeitig vegetarisch geworden (und selbst das ist in Frankreich nicht so einfach). Wurde ich aber nicht :-)

Bevor ich erzähle, wie meine Tage im Normalfall ernährungstechnisch so aussahen, noch eine Info: wir waren mit dem VW- Bus unterwegs und campen. Kühlschrankkapazitäten waren knapp (Luxus, dass wir überhaupt einen kleinen im Bus hatten) und es war brüllend heiss. Das heisst, Obst und Gemüse kann kaum gelagert werden und muss eigentlich am Besten am Einkaufstag, spätestens am Folgetag verbraucht werden. Außerdem konnte ich nicht täglich Nachschub besorgen, da nicht immer eine Einkaufsmöglichkeit gegeben war, manchmal ist man eben auf einem Platz im Wald und da ist dann auch nur Wald :-)

Morgens war es eigentlich kein Problem, entweder hatte ich was von meinem Müsli bzw. Cornflakes mit Pflanzenmilch oder es gab Baguette (von dessen Veganität ich einfach ausgegangen bin) mit Margarine und Marmelade oder Maronenaufstrich oder mitgebrachtem Streich.

Mittagessen: wenn alles gut lief, konnte ich mir einen Salat machen (wenn eben gerade noch Salat und Gemüse da war), dazu Tofuwürfel oder Oliven und Dressing aus (mitgebrachtem) Essig, Olivenöl und Salz + Pfeffer. Einfach und gut. Hatte ich kein Gemüse zur Hand, wurde es meist nochmal Baguette mit Streich und Tofuscheiben. Oder Obst, wenn vorhanden.

Als Knabbereien am Vormittag oder Nachmittag oder wann auch immer ich Lust drauf hatte gab es Kekse oder Gebäckteilchen (ich hatte ja durch meine Bestellung bei Vegan Wonderland vorgesorgt) oder Mandeln.

Beim Abendessen gab es 3 Möglichkeiten, die erste war mir die liebste:
1) grillen! Ich hatte ja mehrere Packungen Würstchen und auch Pizzabratlinge dabei, dazu gab es immer Salat und Brot - ich wurde jedesmal mehr als satt und zufrieden war ich auch.

2) selber kochen. Das war auch ok. Bei 40 Grad und mit beschränkten Möglichkeiten an Platz fang ich keine großen Kochsachen an, schnell muss es gehen und unkompliziert sein. Das heisst z.B. Nudeln mit Pesto oder das hier:

vegan aus dem Basic Biomarkt
oder auch das hier:

Gemüseravioli von Maggi - geht mal im Urlaub, aber dann ist wieder ein Jahr Pause ;-)
Fazit zu den ersten beiden Möglichkeiten: vegane Würstchen habe ich in den Supermärkten nie gesehen, da wäre grillen ohne Mitbringsel schon schwierig geworden. Ebenso z.B. bei Pesto - ich habe gesucht, aber kein französisches veganes Pesto gefunden. Gut, dass ich was dabei hatte. Normale Tomatensoße hätte es aber sicher gegeben und das passt ja auch.

Und nun *trommelwirbel*
3) essen gehen...ähm ja. Ich habe Schlimmes erwartet und meine Ahnungen wurden absolut bestätigt. Ich sags euch, selbst Vegetarier hätten hier Schwierigkeiten gehabt. Jedesmal wieder habe ich hoffnungsvoll Salatkarten studiert, aber wenn ich mehr als zwei Zutaten abbestellen müsste, hab ich schon keine Lust mehr und bestelle einfach nur einen Beilagensalat. Und dazu Pommes. Das gab es überall, und Dressing war auch nie auf den Salaten drauf. Was das dann für Essig war, den man zum Dressing machen bekommen hat, habe ich nicht gefragt und war mir angesichts der sowieso vorhandenen Schwierigkeiten in dem Moment auch nicht wichtig.

Die einzig mögliche Alternative zu Pommes war Pizza ohne Käse. Allerdings ist es auch hier ganz und gar nicht selbstverständlich, dass es überhaupt reine Gemüsepizzen gibt, kulinarische Spezialitäten auf Korsika sind verschiedene Käsesorten und Wildschweinsalamie oder - schinken. Darauf ist man stolz und packt es auf so ziemlich alles drauf. Geschätzt würde ich sagen, dass ich auf etwa 60% der Karten keine Gemüsepizzen gefunden habe. Wenn doch, sah das (sans fromage) dann z.B. so aus:

Pizza vegetarienne sans fromage - lecker!


Pizza mit Zwiebeln und Oliven (Rest abbestellt) und selbst aufgelegten Zuccinischeiben - nicht lecker, da viel zuviel künstlich schmeckendes Tomatenzeug drauf (mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich dran denke)

Desserts sind immer weggefallen, ich war in keinem Restaurant, in dem es z.B. frische Früchte oder Sorbet gegeben hätte.

Was mir positiv aufgefallen ist: in allen Supermärkten gab es Sojamilch und Sojapudding, natürlich konnte man auch alle Klassiker kaufen (Couscous, Nudeln und so), Brot war meist vegan, Obst und Gemüse in Hülle und Fülle ist auch klar - aber das gibts ja nun wahrlich überall.

Was mir negativ aufgefallen ist: neben den Restaurant- Erfahrungen (eine Gemüsepizza auf der Karte oder ein Gemüsesalat sind doch nicht zuviel verlangt? Oder vielleicht Spaghetti alio olio? Wenn es Pasta gab, was auch nicht überall der Fall war, dann mit Pesto, Carbonara oder Bolognese - ok, auch einmal Arrabiata, aber da hab ich mich nicht rangetraut, denn wenn die plötzlich sahnig geschmeckt hätte, hätt ich sie nicht essen wollen) ist mir ganz besonders das Margarine- Problem aufgefallen. Ich habe mindestens 10 Margarinesorten durchgesehen und keine einzige vegane gefunden. Fast überall wird Buttermilchpulver (poudre de barbeurre) reingepantscht, oft auch normale Butter. Oder irgendwas mit "lait", also Milch. Zum Glück hatte ich aus Versehen nicht nur einen kleinen Margarinebecher dabei, sondern auch den gerade erst angefangenen aus dem heimischen Kühlschrank.

Ganz am Ende des Urlaubs habe ich mal in einem Supermarkt eine kleine Bio- Ecke entdeckt, und da gab es eine Margarinesorte. Und die war vegan (und wurde schon deshalb gekauft und mit heimgenommen, im Urlaub brauchte ich nämlich eigentlich keine mehr). Außerdem habe ich auch in dieser Bioecke den einzigen in korsischen Supermärkten zu findenden veganen Aufstrich überhaupt entdeckt, so eine Art Tartex- Aufstrich Champignon. Gekauft und war tatsächlich richtig lecker.

Ich hatte vor dem Urlaub sogar recherchiert, ob es nicht vielleicht vegetarische oder sogar vegane Restaurants gibt und hatte sogar zwei gefunden - allerdings in der Hauptstadt Ajaccio, und da waren wir nicht. Schade.

Zur französischen Verteidigung muss ich sagen, dass ich auch in deutschen Supermärkten nicht immer mit veganen Köstlichkeiten "überschüttet" werde, aber Margarine und irgendeinen Aufstrich habe ich bisher immer und überall gefunden. Ebenso in allen Restaurants Gemüsepizzen und vegane Salate, die mehr als nur Beilage sind.

Was ist die Moral von der Geschicht´? Ohne Vorsorge geht es nicht!

PS: Seit Tagen freute ich mich im Urlaub schon drauf, zuhause ein leckeres Gemüsecurry mit Kichererbsen und den besten Falafelbällchen der Welt zu kochen - gesagt, getan. Meine Zutaten:


Und das Endprodukt:


Ich habe alles aufgegessen und es war SO LECKER!

Kommentare:

  1. Liebe Lisza,
    das klingt ja echt anstrengend, wenn man auf Korsika vegan sein möchte. Hätte ich nicht gedacht, daß es in Frankreich so schwer sein würde. Aber Du hast es ja gut gemeistert.
    Liebe Grüße
    Iris

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Iris,
      es ist echt nicht so einfach, und ich glaube, mit campen hat man es noch besonders leicht, weil man sich ja viel selbst versorgen kann, will gar nicht wissen, wie das z.b. in hotels mit vollpension oder so ist...

      Löschen
  2. Spannend deine Erfahrungen zu lesen. Ich finde du hast dich toll geschlagen ;).
    Wirklich schade, dass bei Restaurants die Speisekarte oft das "ohne Fleisch ist es kein Gericht"-Motto hat.

    AntwortenLöschen
  3. Juli 2013: Wir waren gut 2 Wochen auf Korsika und waren positiv überrascht.
    - In allen Supermärkten gab es Sojajoghurt von sojasun in vielen verschiedenen Sorten (unser Favorit: Haselnuss-Sojajoghurt).
    - Zudem gab es in den größeren Supermärkten riesige Bio-Regale. Wir haben gestaunt über ein reichhaltiges Angebot an Pflanzenmilchsorten (empfehlenswert: Praliné, eine Mischung aus Haselnuss und Mandel) und Fertiggerichten, z.B. Quinoa-Bratlinge.
    - Das Baguette ist vegan, ebenso alle anderen Weißbrotsorten.
    - Von den rustikalen korsischen Canistrelli-Keksen (gibt es in den Geschäften dort regalweise in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen) ist etwa die Hälfte vegan.
    - Lediglich auswärts zu essen gestaltet sich schwierig.

    AntwortenLöschen
  4. Puh... in einer Woche geht's bei uns mit Kindern nach Korsika. Wird sind zwar Vegetarier, aber ich glaube, das macht es auch nicht viel leicher. Etwas schon. Aber irgendwie würde ich mich ja mal auf ein richtiges Vegetarier/Veganer-Land freuen. Vielleicht müssen wir doch mal nach Thailand oder Indien oder so - wenn's nicht in Summe so verdammt viel kosten würde und man wegen dem Flug nicht so ein schlechtes Gewissen haben müsste.

    Naja, werden uns wohl doch auch einiges mitnehmen. Freue mich zwar schon auf gutes Baguette und Salat, aber das kann nicht alles sein. Egal, es geht ja nicht nur ums Essen im Urlaub. Ich freue mich jedenfalls schon!

    AntwortenLöschen
  5. Halli Hallo! Wie hießen denn die veganen Restaurants in der Hauptstadt von Korsika? Danke für den tollen Bericht. Wir wollen nächstes Jahr dorthin! ♥

    AntwortenLöschen